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Spitzenkoch fordert: Gastronomie im Ruhrgebiet muss selbstbewusster werden

1.000 Teilnehmer, ausgebuchte Workshops, gute Gespräche: Neues Konzept beim 3. Branchenforum „dialog food&drink“ übertraf alle Erwartungen – Wiederholung für 2017 geplant

Um 10 Uhr Teilnehmerschlangen an der Kasse, um 11 Uhr ausgebuchte Workshops und beim Impulsvortrag von Spitzenkoch Roland Trettl um 17 Uhr ein Saal, der fast aus den Nähten platzte: „dialog food&drink“, das kommunikative Branchenforum für zukunftsorientierte Gastronomen in NRW, hat sich in Runde drei neu erfunden.

„Das veränderte Konzept – mehr Praxiswissen, mehr Workshops, mehr Referenten – hat hervorragend funktioniert. Der Zuspruch der Teilnehmer und Aussteller übertraf alle unsere Erwartungen“, zogen die Initiatoren Rainer Altendeitering (Niggemann Food FrischeMarkt), Hugo Fiege (Privatbrauerei Moritz Fiege) und Martin Hartmann (Getränkefachgroßhandel Hartmann – Partner der Gastronomie) ein Fazit. Am Ende des turbulenten Tages in der Bochumer Jahrhunderthalle beschlossen sie: Im Frühjahr 2017 soll es wieder einen „dialog food&drink“ geben, der genaue Termin wird noch gesucht.

Teilnehmerzahl verdreifacht
Die Zufriedenheit der Macher fußt auf soliden Zahlen: Rund 1.000 Teilnehmer – Gäste und Aussteller – erfüllten die Halle mit Leben. Die Anzahl der Aussteller mit Food, Getränken und Dienstleitungsangeboten für das Gastgewerbe hat sich im Vergleich zur Dialog 2015 nahezu verdoppelt. Die Zahl der Besucher und Teilnehmer konnte im Vergleich zum Vorjahr sogar verdreifacht werden. Ein Grund für den gewachsenen Zuspruch sehen die Organisatoren in der hohen Qualität der Referenten, die aktuelle Probleme der Gastronomen aufgriffen und dazu Wissen vermittelten, das direkt in der Praxis umsetzbar war, zum Beispiel zur richtigen Kalkulation von Speisen, zu neuen Vorschriften bei der Buchführung oder dem perfekten Einsatz von Fleisch, Käse, Bier, Wein oder Rum an Tisch und Theke. Die 15 Workshops waren während des gesamten Tages nahezu ausgebucht. Die über 70 Aussteller berichten von sehr guten Gesprächen mit interessierten Teilnehmern.

Den eigenen Traum leben
Beim Impulsvortrag „Mutig sein!“ von Sternekoch Roland Trettl aus Südtirol waren die Zuhörerreihen im großen Saal dicht besetzt. Das gastronomische Enfant Terrible aus Südtirol, das mit seinem Bestseller „Serviert“ zur Zeit die Spitzenköche der Welt unruhig werden lässt, rief die Gastronomen im Ruhrgebiet dazu auf, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen: „Ich habe gestern Abend in Bochum hervorragend gegessen. Heute auf der Bühne erlebe ich ein Übermaß an Bescheidenheit. Das passt nicht zusammen.“ Viel erfolgversprechender sei es, die eigenen Träume zu leben, anstatt sklavisch auf die Finanzen zu schauen und sich nur an dem zu orientieren, was man für Gästeerwartungen halte. Salz und Pfeffer auf dem Tisch? Salatbüfett? Beim Servieren eine Hand hinter dem Rücken halten? Brot vor der Vorspeise? Weg mit diesem sinnlosen Zeug, meint Trettl: „Wer nur in die Fußstapfen der anderen tritt, hinterlässt keine Spuren!“

Der Gast als Experte

Trettls kulinarische Kritik gab die Steilvorlage für die anschließende Diskussionsrunde, in der WDR- Moderator Matthias Bongart neben Roland Trettl auch den WAZ-Gastrokritiker Lars von der Gönna, den Gastrojournalisten Tom Thelen vom Überblick-Verlag und Thorsten Hellwig, Sprecher des DEHOGA NRW, um sich versammelte. Souverän loteten sie die geheimen Wünsche der Verbraucher aus und legten dar, auf welche neuen Verbrauchererwartungen sich erfolgreiche Gastronomie einstellen muss. Nicht nur im Spitzenrestaurant, sondern auch in der Mittelklasse trifft der Gastronom mittlerweile immer häufiger auf kompetente und informierte Gäste, die die Leistung im Restaurant kundig einzuschätzen wissen. Eine gute Qualität der Speisen sei für sie selbstverständlich. Erst das rundum stimmige Gesamterlebnis – ein perfektes Mosaik aus Speisen, Getränken, Service, Ambiente, Kommunikation und spürbarer Liebe zum Gastgebersein - wecke echte Begeisterung und rechtfertige den angemessen kalkulierten Preis.

Get-together in der Ausstellung
Dass Gastronomen nicht nur zu diskutieren, sondern auch zu feiern verstehen, bewies der locker-lässige Ausklang des Tages in der Ausstellung. Angeregte Gespräche, feine Ruhrgebietsküche und nicht zuletzt die atmosphärische Begleitmusik der Lifestyle-Band „Foss doll“ waren die stimmungsvollen Zutaten für den Abschluss einer rundherum gelungenen Veranstaltung. Gut gelaunt verabschiedeten sich die Gäste und waren sich einig: „Wer heute hier nicht dabei war, der hat etwas verpasst.“

Mehr Informationen:
www.dialog2016.de

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