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Kinderschutzbund Gelsenkirchen schafft Raum für Zukunft

Neuer Standort, neuer Vorstand, neue Ideen – Ehemalige Stadtgärtnerei an der Hohenstauffenallee wird unter der Bezeichnung „mary’s place“ 2016 zum neuen Zentrum

Staub, Lärm und leere Räume: Der Deutsche Kinderschutzbund Gelsenkirchen ist momentan eine große Baustelle – auf allen Ebenen. „Wir bauen Zukunft“, sagt Claudius Hasenau, stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbandes und markiert damit zum einen den neuen Standort in der ehemaligen Stadtgärtnerei, zum anderen den Neubeginn der Vereinsarbeit nach dem sogenannten „Jugendamtsskandal“. Hasenau: „Die Kernsanierung ist geschafft, jetzt folgt der Feinschliff.“

Das markanteste Symbol des Neuanfangs ist an der Hohenstauffenallee 31 zu besichtigen: Anfang 2016 soll hier „mary’s place“ eröffnet werden, der neue Standort des Gelsenkirchener Ortsverbandes in der ehemaligen Stadtgärtnerei im Bulmker Park, die über viele Jahre leer stand. „Die Immobilie umfasst eine Nutzfläche von rund 200 Quadratmetern, die um einen etwa 100 Quadratmeter großen Anbau erweitert werden soll. In dem Gebäude werden wir nicht nur die Verwaltung, sondern auch die von uns angebotenen Hilfen für Familien in einer heilsamen Umgebung bündeln und ausweiten“, sagt Silke Kozicki, Geschäftsführerin des DKSB Gelsenkirchen. Zurzeit betreut der Kinderschutzbund Gelsenkirchen 150 Familien mit 320 Kindern – so viele wie noch nie.

 

Geschützter OrtIns Erdgeschoss des neuen Gebäudes wird die Verwaltung einziehen. Im ersten OG stehen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien lichtdurchflutete, großzügige Begegnungs- und Spielzimmer zur Verfügung, die u. a. für den begleiteten Umgang bei Trennungen, ambulante Hilfen zur Erziehung, Kleingruppen für die Arbeit mit traumatisierten Mädchen oder Kreativangebote genutzt werden können. Es gibt eine Gemeinschaftsküche, eine Terrasse und einen geschützten Spielplatz für Kinder, die die Anlage nicht verlassen sollen.

 

Kauf und Renovierung sind günstiger als MieteDie vollständige Finanzierung des Vorhabens hat die Stadtsparkasse Gelsenkirchen verbindlich zugesagt. Der Kaufpreis beträgt 245.000 Euro, dazu kommen 85.000 Euro für Renovierung. Die Deckungslücke von 15.000 Euro für die Renovierungskosten soll durch Spenden geschlossen werden. Eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit ergab, dass dank der Niedrigzinsphase die Kosten für die Anschaffung und Renovierung der Immobilie auf Dauer günstiger sind als die bisherigen Mietzahlungen des Ortsverbandes. Unterstützt wird der Kinderschutzbund durch eine Vielzahl von Gelsenkirchener Unternehmen, die die Gewerke am Bau kostenfrei zur Verfügung stellen.


Drei „Freisprüche“ von WirtschaftsprüfernParallel zu den Planungs- und Bauarbeiten am neuen „mary’s place“ sind die Arbeiten auf der „internen“ Baustelle des Vereins in vollem Gange. Zur Aufklärung des sogenannten „Jugendamtsskandals“ stellte der Kinderschutzbund seit Bekanntwerden im Mai sämtliche vorliegenden Unterlagen zur Verfügung, beantwortete alle Fragen und wirkte in allen Arbeitskreisen und Gremien aktiv mit. Die Tatsache, dass drei voneinander unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in ihren Berichten den Gelsenkirchenern einhellig eine ordnungsgemäße Buchhaltung und einen korrekten Umgang mit Spendengeldern bescheinigten, gab dem Ortsverband neue Zuversicht. Im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wählte der DKSB Gelsenkirchen im Juni einen neuen Vorstand, stellte die Weichen für eine Satzungsänderung, die Interessenskollisionen durch berufliche Abhängigkeiten in Zukunft ausschließen wird, und ernannte einen Beirat.

 

Absolutes VertrauenIn einem weiteren Schritt überprüfte der Vorstand sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ortsverbands. Der Tätigkeitsbereich der „Kurzzeit-Tagesmütter“ wechselte zurück an die GEKITA GmbH, das Stadtteilprojekt „Phytoland Freiraum“ wird selbstverantwortet tätig – einschließlich der dort beschäftigten Mitarbeiter. Claudius Hasenau, stellvertretender Vorsitzender: „Wir haben alle 25 verbliebenen Mitarbeiter ohne Ansehen der Person intern auf den Prüfstand gestellt – von der Geschäftsführerin bis hin zum Streetworker. Von einigen mussten wir uns leider trennen.“ Das jetzige Team leiste hervorragende Arbeit. Claudius Hasenau: „Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden die Zukunft des Kinderschutzbundes in Gelsenkirchen. Sie genießen ohne Ausnahme das absolute Vertrauen des Vorstands und des Beirats.“Zusammenarbeit mit Jugendamt geht weiterAuf ein neues Fundament gestellt wurde auch die Zusammenarbeit des Kinderschutzbundes mit dem Jugendamt. Anfang September trafen sich der Vorstand, der Beirat und die Geschäftsführung des DKSB mit der derzeit kommissarischen Leitung des Jugendamtes und wichtigen Ansprechpartnern. Dabei erklärten die Vertreter der Kommune, dass die Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund in jedem Fall weitergehen werde, denn diese sei stets gekennzeichnet von Kompetenz und fachlichem Können. Zudem wurde vereinbart, dass spätestens Anfang 2016 Rahmenverträge mit einem allgemein gültigen Fachleistungssatz die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und DKSB regeln werden.

Bundesweite Konsequenzen
In seinem Vorgehen begleitet und bestärkt wird der Kinderschutzbund Gelsenkirchen durch Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer des Landesverbandes NRW: „In den vergangenen turbulenten Monaten hat sich zwischen dem Ortsverband und dem Landesverband eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Alle Themen werden frühzeitig gemeinsam gesprochen, der Informationsfluss klappt reibungslos.“ Aus den fraglichen Verflechtungen mit dem Gelsenkirchener Jugendamt zieht der Deutsche Kinderschutzbund bundesweit strukturelle Konsequenzen. Die zuständigen Gremien in Deutschland wurden aufgefordert zu prüfen, ob Vorstandsmitglieder im DKSB verpflichtet werden können, ihre bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten in Organisationen außerhalb des DKSB offenzulegen. Darüber hinaus sollen sich Vorstandsmitglieder, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen, nicht gemeinsam im Vorstand engagieren können. In einer Mustersatzung, die der DKSB Ortsverband Gelsenkirchen zeitnah beschließen wird, ist bereits festgelegt, dass ein Vorstandsmitglied nicht abstimmen darf, wenn eine Entscheidung persönliche Vor- oder Nachteile mit sich bringt.

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