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Mundhygiene bei Senioren im Altenheim verbessern

Prof. Dr. Rolf Hinz startet „Initiative Handicap“ – Neue Schulungsreihe für Pflegekräfte zur Verbesserung der Prävention beginnt Mitte Novem-ber in Herne in Zusammenarbeit mit ASB Herne/Gelsenkirchen

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Mundhygiene bei behinderten Menschen oder pflegebedürftigen Senioren noch immer deutlich schlechter ist als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Im Pflegereport 2014 der BARMER GEK heißt es sogar: „Pflegebedürftige sind zahnmedizinisch unterversorgt“. Besonders schlecht bestellt ist es dabei um die vorbeugende Pflege von Zähnen oder Zahnersatz. Der Herner Kieferor-thopäde, Hochschullehrer und Ratgeber-Autor Prof. Dr. Rolf Hinz (87) wagt hier einen neuen Vorstoß: „Zahnmedizinische Prävention ist kein medizini-sches, sondern ein organisatorisches Problem, das gelöst werden kann.“

Der Prophylaxe-Spezialist, seit 55 Jahren mit eigener Praxis in Herne aktiv, entwickelte die „Initiative Handicap“, ein didaktisches Schulungskonzept mit individuellen Hilfsmitteln für Pflegende in stationären Einrichtungen und am-bulanten Pflegediensten. Eine erste Schulungsreihe beginnt Mitte November 2015 in Zusammenarbeit mit Dr. Carsten Massat, seit 2006 Seniorenbeauftrag-ter in der Bezirksstelle Herne, und dem Arbeitersamariterbund Regionalver-band Herne/Gelsenkirchen im ASB-Seniorenzentrum an der Siepenstraße. 2016 startet zudem an der Haranni Academie das „Curriculum Alterszahnmedizin“, eine spezielle Weiterbildungsmaßnahme für Zahnärzte. Außerdem soll die Initiative mit ambulanten Pflegediensten in der Region fortgesetzt werden.

In der Ausbildung nur sechs Stunden Zahnmedizin

In ihrer Ausbildung werden Pflegende mit zahnmedizinischen Fragen eher oberflächlich vertraut gemacht. Nur etwa sechs Unterrichtsstunden sind dem Thema im Rahmen der dreijährigen Ausbildung zum examinierten Alten- oder Gesundheitspfleger gewidmet. Dabei trägt eine systematische Mundhygiene entscheidend zum Wohlbefinden und zur Gesundheit der betreuten Menschen bei. Prof. Dr. Rolf Hinz: „Erkrankungen an Zähnen und Zahnfleisch, die durch eine verbesserte Mundhygiene wirksam zu verhindern wären, führen bei den meist immungeschwächten Pflegebedürftigen zu weiteren Organerkrankungen: Bakterien aus Zahnbelägen und Zahnfleischtaschen können Lungenentzündungen auslösen. Sie stellen einen hohen Risikofaktor für Herzerkrankungen dar und führen in der Folge von neurologischen Beeinträchtigungen oder medikamentösen Nebenwirkungen zu reduziertem Speichelfluss und Mundtrockenheit.“

Anspruch auf Prävention

Das Mitte 2015 in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) verschafft den rund 581.000 Pflegebedürftigen in NRW ab sofort Anspruch auf zahnmedizinische Prävention. Allerdings lasse der aktuelle Pflegeschlüssel den Pflegenden zu wenig Zeit, um sich im erforderlichen Maße um die Mundhygiene der Patienten zu kümmern, so Prof. Hinz. Um professionell handeln zu können, benötigen die Pflegenden spezielles Grundwissen und befundorientierte Hilfsmittel, die die Arbeit mit Patienten erleichtern. Prof. Hinz: „Die Einheitszahnbürste und das Allround-Pflegemittel gibt es nicht.“

Gebissreinigung alle drei Monate

Zahnärzte, die Patienten in Einrichtungen versorgen, berichten davon, dass manche Gebisse nur einmal im Vierteljahr gereinigt würden. Nämlich genau dann, wenn der Zahnarzt die Reinigung bei seinen Besuchen selbst vornehme, so Prof. Hinz. Dr. Carsten Massat, Seniorenbeauftragter der Herner Zahnärzte: „In Herne bleibt kein Bewohner der 17 vollstationären Pflegeheime, der Hilfe braucht, zahnmedizinisch unversorgt.“ Schwieriger gestaltee sich allerdings die systematische Prophylaxe zum Beispiel durch Reihenuntersuchungen. Diese finden längst nicht überall statt. Dr. Massat: „Das kann am Engagement der beteiligten Zahnärzte liegen, aber auch am Zeitmangel oder der Personalfluktuation in den Heimen.“ Ähnlich sehe es bei zahnmedizinischen Schulungen der Pflegenden aus. Dr. Massat: „Das Interesse der Heimträger ist leider nicht so rege wie es sein sollte. Hier erhoffen wir uns durch die Initiative Handicap eine Verbesserung der Zusammenarbeit auf allen Ebenen und neue Motivation für alle Beteiligten - bei den Zahnärzten, bei den Pflegedienstleitungen, bei den Pflegenden und den Angehörigen.“

Zahnärzte begrüßen Hinz-Initiative

Die „Initiative Handicap“ ist nicht der erste Vorstoß von Zahnmedizinern. Vor Jahren fanden bereits in Zusammenarbeit mit der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe einzelne Schulungen von Pflegepersonal in Herne statt. Mangels Nachfrage der Heimträger schlief das Angebot ein, erinnert sich der Zahnarzt Dr. Markus Willmes, Bezirksstellenvorsitzender in Herne: „Die ambulante und stationäre Pflege muss im Bereich der zahnmedizinischen Prophylaxe weiter professionalisiert werden. Der Vorstoß von Professor Hinz hat unsere volle Unterstützung.“

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