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"Mein schönstes Weihnachtsgeschenk"

Bömskes, Fischstäbchen und Baumschmücken: Mit den Kindergarten-Kids Lucy, Jermaine und Gülmedine zu Gast in der Wohngemeinschaft „Leben am Rheinelbepark“

Für diesen Tag haben sie extra Sterne ausgeschnitten und Glanzpapier-Schmuck gebastelt: Kurz vor Heiligabend sind Gülmedine (5), Jermaine (4) und Lucy (3) die Ehrengäste im Hause „Leben am Rheinelbepark“ an der Rheinelbestraße 48. Die Kindergartenkinder wollen mit den Männern und Frauen, die hier in drei Demenz-Wohngemeinschaften zusammenleben, erst zu Mittag essen und dann den Tannenbaum schmücken. Einmal im Monat stattet eine immer wieder neu zusammengesetzte Abordnung des städtischen Familienzentrums Hohenfriedberger Straße dem Demenz-Wohnprojekt der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH einen Besuch ab. Nicht nur zu Weihnachten, sondern auch zu Ostern, beim Sommerfest oder an St. Martin. So, wie es unter guten Nachbarn in Ückendorf eben üblich ist.

„Die Kinder kommen, die Kinder kommen!“ Anneliese Tonk (90) strömt buchstäblich über vor Glück. Kinder sind ihre größte Freude, schließlich hat die gebürtige Gelsenkirchenerin viele, viele Jahre als Kinderkrankenschwester an der Charité in Berlin gearbeitet. Seit Sommer 2015 lebt sie mit sieben Mitbewohnern in der APD-WG am Rheinelbepark, weil es allein zuhause nicht mehr klappen wollte. In ihrem gemütlichen Zimmer hat sie Fotos der Enkel aufgestellt und erzählt detailliert aus ihrem früheren Leben.

Gemeinsames Mittagessen
Die kesse Lucy hat sich derweil aufs Bett gesetzt. Anneliese Tonk legt ihr Alina in den Arm, eine Puppe, die sie selbst einst von einer Freundin bekam. Natürlich findet die betagte Dame auch „Bömskes“ für ihre kleinen Gäste. Die Erzieherin Astrid Knizia, die die Kinder begleitet, erlaubt das süße Extra vor dem Mittagessen. Begeistert schiebt sich Lucy die Gummibärchen in den Mund. „Ihr seid mein schönstes Weihnachtsgeschenk“, sagt Anneliese Tonk, als sich die kleine Gesellschaft mit den anderen Bewohnern am großen Esstisch der Gemeinschaftsküche zum Mittagessen niederlässt.

Intensive Beobachter
Drei Kerzen auf dem Adventskranz in der Mitte des Tisches verbreiten heimelige Stimmung in dem weihnachtlich geschmückten Raum. Heute gibt es zu Ehren der Kinder für alle Fischstäbchen, Spinat und Kartoffelpüree, frisch gekocht von den Alltagsbegleiterinnen der WG. Jermaine kommt kaum zum Essen, so intensiv beobachtet er die Tischgesellschaft. Zum Beispiel den alten Herrn, der zum Essen sein alkoholfreies Bier genießt, den gebeugten Mann im Rollstuhl, dem eine Mitbewohnerin liebevoll dabei hilft, aus einer Schnabeltasse zu trinken, und die kleine Dame, die ihr Essen im Stehen angereicht bekommt. „Kinder kennen keine Berührungsängste. Sie gehen fröhlich und unbefangen auf die Menschen zu. Wir bereiten sie auf die Besuche vor und besprechen hinterher, was sie erlebt haben“, sagt Astrid Knizia. Die ehemalige Kinderkrankenschwester arbeitet als Erzieherin in der inklusiven Kindertageseinrichtung an der Hohenfriedberger Straße, die 105 Kinder in sechs Gruppen betreut.

Gute Momente, die Sicherheit geben
„Der Besuch der Kinder tut unseren Mieterinnen und Mietern gut“, sagt Theresia Hasenau, Hausmutter in „Leben am Rheinelbepark“. Demenzkranke fallen im Krankheitsverlauf in kindliche Verhaltensmuster zurück, müssen Alltägliches ständig wieder neu lernen. Kinder dagegen sind spontan – und unvoreingenommen. Die Art, wie Kinder und Demenzkranke miteinander kommunizieren, spielerisch und frei von Angst, schafft eine Verbindung, die zuweilen erst sichtbar wird, wenn die Kleinen längst fort sind. Theresia Hasenau: „Dann beginnen einige unserer Gäste plötzlich zu sprechen. Sie erinnern sich an die eigene Kindheit, die eigenen Kinder oder Enkel. Das sind gute Momente, die ihnen Sicherheit geben.“

Der Pflege eine Stimme geben
Die APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH – 1993 gegründet – feierte 2013 ihr 20-jähriges Bestehen. Der größte private Pflegedienst der Stadt betreut heute mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr als 680 Patientinnen und Patienten. Geschäftsführer sind die Geschwister Petra und Claudius Hasenau sowie Hans-Werner Rössing. Die APD begleitet drei Wohnprojekte mit insgesamt neun ambulant betreuten Wohngemeinschaften für demenziell Veränderte am Rheinelbepark, in Sutum und Schaffrath. Weitere Projekte in Rotthausen, Bismarck und Ückendorf sind in Planung. Im November 2013 erhielt das Unternehmen für das Projekt „Leben in Sutum“ den internationalen Preis der Gradmann-Stiftung für vorbildliches Demenzwohnen. Die APD sieht ihre Aufgabe darin, der Pflege nicht nur lokal, sondern auch regional und bundesweit eine Stimme zu geben: Die APD ist Gründungsmitglied der 1993 entstandenen kommunalen Arbeitsgemeinschaft Verbund freier sozialer Dienste. Sie gehörte 2007 zu den Initiatoren des Fachverbands WIG – Wohnen in Gemeinschaft NRW, der heute mehr als 100 Wohngemeinschaften für Menschen mit besonderem Versorgungsbedarf vertritt, und engagiert sich im Seniorennetz Gelsenkirchen sowie für das städteübergreifende Image-Projekt „Wir können Pflege“.        

www.apd.de

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