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Zwei Seiten einer Medaille

Selbstbestimmung und Fremdverantwortung: Palliativ-Netzwerk Herne | Wanne-Eickel | Castrop-Rauxel informierte im vollbesetzten Saal des Archäologiemuseums über den Umgang mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Das eigene Leben am Ende auch dann noch selbst bestimmen zu können, wenn man sich nicht mehr äußern kann – dieses Thema bewegt immer mehr Menschen. 160 Gäste, darunter auch Schüler eines Religionskurses am Gymnasium, verfolgten deshalb am Mittwoch, 29. Oktober, eine Informationsveranstaltung zum Thema „Patientenverfügung“ im voll besetzten Saal des Archäologiemuseums in Herne. Auf Einladung des Palliativ-Netzwerkes Herne | Wanne-Eickel | Castrop-Rauxel, das 2014 sein fünfjähriges Bestehen begeht, diskutierten Mediziner, Theologen, Berufsbetreuer und Psychologen über den praktischen Umgang mit dem schriftlich verfassten Patientenwillen und die Aufgabe der Vorsorgebevollmächtigten.

„Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind zwei Seiten einer Medaille. Die Vorsorgevollmacht ist mindestens genauso wichtig wie die Patientenverfügung, denn sie bestimmt, wer den Willen des Patienten gegenüber Ärzten und Behörden durchsetzen soll“, machte die Bochumer Diplom-Psychologin Eva-Maria Rellecke in ihrem Impulsreferat „Selbstbestimmung und Fremdverantwortung“ deutlich. Sie warb für einen möglichst unverkrampften Umgang mit den Vorsorgeinstrumenten und rief die Zuhörer auf, sich offen und regelmäßig mit Angehörigen, Freunden und behandelnden Ärzten über den eigenen Patientenwillen auszutauschen. Auf großes Interesse stießen auch die Ausführungen des Herner Hausarztes Dr. Uwe Budde. Er wies auf einen Konflikt zwischen Organspendeausweis und Patientenverfügung hin. Werde in der Patientenverfügung auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet, so Budde, sei der Organspendeausweis hinfällig.

Das Palliativnetzwerk Herne | Wanne-Eickel | Castrop-Rauxel besteht seit fünf Jahren. Die ersten Vorbereitungen begannen 2007, 2009 wurde der Verein gegründet. 27 Mitglieder haben sich seitdem der gemeinnützigen Initiative angeschlossen. Dazu gehören spezialisierte Mediziner, Krankenhäuser, ambulante und stationäre Hospizeinrichtungen, Pflegedienste, Apotheken und andere Dienstleister. Gemeinsam erreichen sie pro Jahr in beiden Städten mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten. In drei fachübergreifenden Arbeitsgruppen widmen sich die Netzwerker aktuellen Fragestellungen der Palliativ-Versorgung, u. a. mit dem Konzept einer Notfallmappe für Palliativpatienten, mit der Überleitung zwischen stationären Einrichtungen und ambulanter Versorgung sowie mit der hospizlichen Begleitung und bedarfsgerechten Palliativversorgung in Altenheimen.

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