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Am Herd zählt jede Hand

Wenn Dagmar Jutrzenka (52) morgens die Großküche der Werkstätten für Behinderte (WfB) in Herne-Horsthausen betritt, weiß die Köchin und Gruppenleiterin nie ganz genau, was der Tag bringen wird. Zwei gelernte Köche bruzzeln hier täglich als Team mit acht Küchenhelfern 1.300 Essen. Es sind Frauen und Männer, die trotz geistiger, körperlicher oder psychischer Handicaps ihren festen Platz in der Großküche gefunden haben. An ihrem Arbeitsplatz ist Dagmar Jutrzenka für die Organisation und die Betreuung von Mitarbeitern verantwortlich. Und da ist kein Tag wie der andere.

Wenn ihr Arbeitstag um 7.30 Uhr beginnt, hat die integrative Küchencrew alle Hände voll zu tun. Bis 9.30 Uhr müssen die Speisen fertig sein, die Essensausgabe beginnt um 11.40 Uhr – alles läuft nach Plan. Die 24 Helfer sind überall im Einsatz – im Kochprozess, in der Spülküche, in der Cafeteria, als Beifahrer im Bringdienst und in der Essensausgabe. Trotz ihrer Einschränkungen gelten sie als vollwertige Teammitglieder, spüren, wie sehr sie gebraucht werden, und tragen Verantwortung, sagt Dagmar Jutrzenka. Dabei macht es den Profi-Köchen nichts aus, Abläufe auch mehrmals zu erklären oder kleinere Problemchen aus dem Weg zu räumen, damit die Arbeit gelingt.

Im Keller einkaufen gehen
Kessel, Pfannen und Bräter gehören zum Reich von Robert K. Seit sieben Jahren arbeitet der heute 38-Jährige als Mitarbeiter in der Küche für die WfB. Trotz seines Krankheitsbildes meistert er sein Leben weitgehend selbständig. Seine erste Aufgabe am Tag besteht darin, mit dem Koch in den Keller „einkaufen zu gehen“. Gemeinsam stellen sie die Zutaten der einzelnen Gerichte für den Tag zusammen und holen sie mit einem weiteren Helfer aus der Kühlung oder aus dem Lager. Anschließend mischt Robert unter Anleitung des Koches die Zutaten im Kessel und hilft bei der Verteilung der einzelnen Essenkomponenten in die dafür vorgesehenen Wärmebehälter. Weil eine Küche immer blitzblank sein muss, müssen die Gerätschaften gereinigt und desinfiziert werden und anschließend reinigt er mit seinen Kollegen die Böden. „Manchmal ist die Arbeit stressig, aber sie macht mir viel Spaß“, so der 38-Jährige.

Lieber ausgeschlafen arbeiten
Beim Spülen trifft er seine Kollegin Rosi D. (49), die bereits seit 30 Jahren das Team unterstützt. Bei ihrer Arbeit für die WfB wechselt sie zwischen dem Schmutz- und dem Trockenbereich. Je nach Wocheneinteilung durch die Gruppenleiterin säubert sie die Teller von groben Essensresten, bevor sie in die Spülmaschine wandern. In der nächsten Woche trocknet Rosi D. Teller und Tassen ab. „Schief geht nur etwas, wenn wir nicht ausgeschlafen sind. Dann fällt schon mal ein Teller runter“, lächelt die Küchenhilfe. Lust, selbst am Herd zu stehen, hat sie nicht, mit den Köchen möchte sie nicht tauschen: „Ich schmiere und belege morgens die Brötchen für die Cafeteria. Das reicht mir.“ Bis 14.30 Uhr muss das Geschirr wieder gebrauchsfertig in den Regalen stehen. Noch 30 Minuten, dann ist Feierabend. Ab 15 Uhr bleibt die Küche kalt.

Infokasten
Mit seinem neuen Konzept hat sich der Adventsmarkt der Werkstätten für Behinderte Herne / Castrop-Rauxel aus dem Stand zu einem der beliebtesten Weihnachtsevents der Region entwickelt. 2011 findet der Markt erstmals an zwei Tagen statt. Am Freitag, 18. November, von 16 bis 20 Uhr, und am Samstag, 19. November, von 11 bis 20 Uhr, erwartet ein stimmungsvolles Programm die Gäste. 2010 kamen rund 4.000 Besucher an nur einem Tag auf das geschmückte WfB-Gelände an der Nordstraße in Baukau, um sich in punkto Weihnachtsschmuck und Geschenke inspirieren zu lassen. Dabei ließen sie sich 200 Liter Glühwein und 600 Waffeln schmecken – natürlich frisch und lecker zubereitet vom Team der eigenen WfB-Küche.

Den Flyer zum Adventsmarkt gibt es zum Download hier.

Mehr Informationen:
www.wfb-herne.de