
Ein Oratorium gegen das Vergessen: Auftragswerk von Stefan Heucke würdigt die Verdienste von Nikolaus Groß im Widerstand gegen die Nazis – Uraufführung am 7. Oktober in der Mercatorhalle
Musik gegen das Vergessen: Wenn das Oratorium Nikolaus Groß von Stefan Heucke unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert am Freitag, 7. Oktober, um 20 Uhr in der Mercatorhalle Duisburg seine Uraufführung und am Sonntag, 9. Oktober, in der Philharmonie Essen seine zweite Aufführung erlebt, erwacht die Geschichte eines unbeugsamen Widerstandskämpfers gegen die Nazis zu neuem Leben. Nikolaus Groß, Familienvater, Bergarbeiter und Journalist aus Hattingen wurde 2001 als bisher einziger Revierbürger von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Groß war kein Superheld, sondern einer von vielen. Weil er Werte wie Menschlichkeit und Solidarität nicht verraten wollte, nahm ihm eine menschenverachtende Staatsgewalt das Leben. Nikolaus Groß – ein Mann mit Zivilcourage und deshalb auch heute noch ein Vorbild für Generationen.
Das Vermächtnis des Vaters an seine Familie sei der unbedingte Wille zur freiheitlichen, demokratischen Grundhaltung, sagt Bernhard Groß, das sechste von sieben Kindern des Nikolaus Groß. „Ob damals oder heute – es ist wichtig, Unrecht zu benennen, vor der eigenen Haustür und in der Welt.“ So sieht es auch Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert, der die Schirmherrschaft des Oratoriums übernommen hat: „Mit diesem Oratorium wird gezeigt, dass Nikolaus Groß nicht in Vergessenheit geraten ist. Im Gegenteil – seine Person und sein Widerstand aus christlicher Haltung gegen den Nationalsozialismus sind präsent. Stefan und Clemens Heucke erinnern mit diesem eindrucksvollen Auftragswerk des Bistums Essen nicht nur an den zehnten Jahrestag der Seligsprechung von Nikolaus Groß, sondern setzen auch ein musikalisches Denkmal; ein Denkmal für einen Mann, dessen Mut aus dem Glauben heraus für unsere Gesellschaft wegweisend bleibt.“
Ökumenisch denken
Während er das Oratorium komponierte, beschäftigte sich der 52-jährige Hans-Werner-Henze-Preisträger Stefan Heucke intensiv mit der Frage: Wie hätte ich gehandelt? Heucke: „Dieser Gedanke hat mich lange begleitet. Hätte ich im Widerstand mein Leben gegeben oder wäre ich Mitläufer gewesen?“ Das Leben und Wirken von Nikolaus Groß sei dabei so faszinierend gewesen, dass er das Werk mit großer Hingabe verwirklicht habe. Dabei sei er zunächst überrascht gewesen, so Heucke, dass das Bistum Essen einen Protestanten mit der Würdigung des katholischen Seligen betraute. Aber gerade der ökumenische Aspekt führe die Denkweise von Nikolaus Groß konsequent fort. Während seiner Gefangenschaft betete der überzeugte Katholik regelmäßig mit drei weiteren Häftlingen. Einer war katholisch, zwei protestantisch.
Mehr Informationen
www.heucke-stefan.de
www.bistum-essen.de
Interviews zur Uraufführung des Oratoriums für den Seligen Nikolaus Groß. Im Gespräch: Domkapitular Dr. Michael Dörnemann, Komponist Stefan Heucke und Dirigent Prof. Raimund Wippermann.
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Bernhard Groß über seinen Vater, den Seligen Nikolaus Groß, und seine Mutter Elisabeth, die ihren Mann im Widerstand gegen die Nazis unterstützte und nach dessen Tod das Überleben der Familie sicherte
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Interviews zur Uraufführung des Oratoriums für den Seligen Nikolaus Groß. Im Gespräch: Domkapitular Dr. Michael Dörnemann, Komponist Stefan Heucke und Dirigent Prof. Raimund Wippermann.
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